EKD – RSA – DDR

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Ich las in der EiNS:

„Exemplarisch war die Situation im Jahr der Friedlichen Revolution. Beim Deutschen Evangelischen Kirchentag im Juni 1989 in Berlin-West – keine fünf Monate vor dem Fall der Mauer – wandten sich sämtliche Kirchenleiter gegen jedes Reden von der Wiedervereinigung. Einen Monat später, im Juli, rief der Weltkirchenrat bei seiner Zentralausschusssitzung in Moskau samt den zahlreichen deutschen Delegierten zur Wiedervereinigung auf – in Korea.

Noch am 13. August 1989 fand in West-Berlin ein Fürbittegottesdienst für die Vereinigung Koreas statt; keiner für die deutsche Wiedervereinigung. Davor wurde offen gewarnt. Während Tausende DDR-Bürger über Ungarn in den Westen flohen und es in der ganzen DDR brodelte, sprachen sich führende Repräsentanten der evangelischen Kirche gegen die Wiedervereinigung aus, ja bezeichneten sie gar als „objektiv friedensgefährdend“, wie etwa der stellvertretende Vorsitzende des Bundes der Evangelischen Kirchen in der DDR, Manfred Stolp, Ende September im „Spiegel“. Der Wittenburger Synodale Friedrich Schorlemmer meinte, es sei gut, wenn es zwei deutsche Staaten gebe. Einen Monat später – wenige Tage vor dem Fall der Mauer – übernahm Jürgen Schude, der Präses der EKD-Synode, in der ARD-Sendung „Pro und Kontra Wiedervereinigung“ den Kontra-Part. Vor der Lutherischen Generalsynode (im Westen) äußerte er, die Westkirchen seien von den Partnerkirchen in der DDR gebeten worden, nichts zur Lage in der DDR zu sagen.

Die EKD wirkte gelähmt

Thema Nr. 1 kurz vor dem Zusammenbruch des DDR-Regimes war in Synoden und Kirchenleitungsberichten Südafrika. Der zentrale Rechenschaftsbericht des Rates der EKD widmete sich noch am 5. November auf der EKD-Synode über 152 Zeilen der Situation in Südafrika, aber in gerade 26 Zeilen (!) mit der DDR. Keiner wagte, das Wort Wiedervereinigung oder freie Wahlen auch nur auszusprechen. Zur gleichen Zeit sprachen sich in Umfragen 80% der Bürger in Ost und West für deine Wiedervereinigung aus.“

Hier fällt mir das Prinzip des Balkens und des Splitters ein. Ob Korea sich damals freute über die EKD-Bemühungen, den Splitter aus ihrem Auge zu ziehen, weiß ich nicht und der Grund warum der Koreanische Splitter heutzutage nicht mehr Priorität der EKD-Synode ist, ist wahrscheinlich die fehlende Notwendigkeit der Ablenkung. Denn ist das nicht genau die Funktion, die der Splitter meines Bruders hat, mich von dem Balken in meinem eigenen Auge ab zu lenken?

Vielleicht sollte man in seiner ersten Betrachtung und emotionalen Reaktion auf die Fehler anderer immer bloß ein Spiegelbild des eigenen Wesens verstehen, einen Hinweis auf seinen Balken, statt einen Aufruf zur Spiegelreparatur.

Vielleicht war der Grund, weshalb die EKD von dem Koreanischen Splitter besessen war, nicht wirklich eine Bemühung den Splitter Koreas zu entfernen, sondern bloß die notwendige Ablenkung der EKD während der Entfernung des Balkens aus ihrem eigenen Auge und die „Gelähmtheit der EKD“ einfach eine Anstrengung des Stillhaltens, die so eine Balkenentfernung verlangt, denn für sie ist die Ost-West-Trennung zu Ende gegangen. Vielleicht kommt Korea nochmal ins Spiel sobald der EKD wieder eine OP bevorsteht.

Südafrika allerdings erlitt schreckliche Schmerzen, denn für sie gab es keine Ablenkung zum Stillhalten, während die EKD sich zusammen mit der Welt um Südafrikas Splitter bemühte.  Noch ist Südafrika blind auf dem linken Auge, schauend mit dem Rechten, ob ihre ehemaligen Peiniger nicht vielleicht doch noch helfen können, das Blutvergießen, das sie herbeigeführt haben, zu hemmen.

 

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